Ist es Ihnen auch schon passiert, dass Sie unerledigte Aufgaben nach Hause genommen haben, um diese zu beenden? Oder denken Sie in Ihrer Freizeit über arbeitsbezogene Probleme nach? Damit sind Sie nicht alleine. Viele Erwerbstätige schalten nach der Arbeit nicht vollständig ab und vermischen dadurch Arbeit- und Familienleben. Ob man die Arbeit und Familie klar trennen soll oder nicht, ist auch ein stark diskutiertes Thema in den Medien. In dieser Rubrik geht es um diese Präferenz und welche Folgen das klare Trennen oder Vermischen der Rollen mit sich zieht.
Das psychologische Abschalten von der Arbeit ist wichtig für die Erholung und ist deshalb auch für das Wohlbefinden von Bedeutung. Das erfolgreiche Loslösen von der Arbeit wird bei hohem Zeitdruck, bei Konflikten und durch die ständige Erreichbarkeit übers Telefon oder Email schwieriger. Folgen durch ein schwaches Ablösen sind unter anderem, dass man sich viel schneller über Dinge bei der Arbeit und zu Hause aufregt und das Interesse daran kleiner wird. Ausserdem fühlt man sich öfters erschöpft oder verspürt depressive Symptome. Ein ungenügendes Abschalten von der Arbeit kann sich auch negativ auf die Familie auswirken. Die Zeit und andere Ressourcen, welche für die Familie vorgesehen wären, werden der Arbeitsrolle zugeschrieben. Dadurch kann es zu mehr Konflikten zwischen der Arbeit und Familie führen. Dies kann auch die Zufriedenheit mit der Beziehung negativ beeinflussen.
Vielleicht sind Sie eine Person, die durchaus noch gerne nach der Arbeit etwas für die Arbeit macht oder darüber nachdenken möchte oder dem Partner von beruflichen Ereignissen erzählen und besprechen will (sie sind dann ein sogenannter Integrator). Ist Ihr Wohlbefinden und das Familienleben dann in Gefahr? Nein. Nicht alle Erwerbstätige wollen im gleichen Ausmass eine Grenze zwischen Arbeit und Familie ziehen. Personen, die die Grenzen weniger strikt sehen, stören sich weniger daran, wenn sie auch noch zu Hause an die Arbeit denken oder weiterarbeiten. Ein fehlendes Abschalten geht auch nicht zwingen mit negativen Gedanken und Problemen einher, vielmehr haben Erwerbstätige am Feierabend oft auch positive Gedanken bezüglich der Arbeit und wollen diese gerne mit ihren Familienmitgliedern teilen. Dies wirkt sich positiv auf die eigene Stimmung und die Erholung aus.
Personen unterscheiden sich auch darin, wieso sie am Abend arbeiten. Müssen sie aus Zeitdruck oder aus Angst, die Arbeit nicht zu schaffen, zu Hause weiterarbeiten, sind die Folgen für das Befinden schlecht. Widmen sie sich aber der Arbeit, weil sie ihnen Freude bereitet, sie die Arbeit als sinnvoll erachten, zeigen sich – zumindest kurzfristig – gar positive Effekte.
Insgesamt ist also festzuhalten, dass das Abschalten wichtig für die Erholung und Gesundheit ist, die Folge der abendlichen Arbeitstätigkeit aber vom Typ (Integrator oder nicht), von den Motiven (Freude vs. Zwang) und von der Häufigkeit abhängt.